Die meisten Früchte sind geerntet, viele Pflanzen bekommen langsam ihre herbstliche Farbe und das ein oder andere Blatt segelt zu Boden.

Der Herbst ist da!

Bei mir am Balkon sieht es auch schon sehr trist aus. Das frische und saftige Grün der Blätter verschwindet allmählich.
Auf den ersten Blick fühlt sich alles leer und beendet an.
Aber so ist es nicht!
Der Herbst ist für mich ein Neustart in eine neue Saison. Natürlich nicht ganz so ausgiebig wie im Frühling. Aber auch hier kann man noch viele Dinge erledigen die Freude machen.
Ich erzähl euch hier, wie ich das Ganze von Jahr zu Jahr handhabe.
Welche Arbeit ansteht, was noch ausgesät werden kann und ein paar Tipps um besser in die neue Saison im Sommer starten zu können.

Abernten & Rückschnitt

Langsam wird es Zeit nun auch die letzten Früchte abzuernten und gegebenfalls im Wohnraum fertig ausreifen lassen.

Gemüsepflanzen:
Die meisten Gemüsesorten sind einjährig und nicht winterhart.
Diese schneide ich bodennahe ab. Den ganzen Wurzelballen kann man ebenfalls mit heraus ziehen und entsorgen – aber ich belasse die Wurzeln gern im Erdreich damit die Organismen im Boden etwas zum Zerlegen haben. Tut der Erde gut!

Kräuter:
Die winterharten Kräuter belasse ich draußen wie sie sind. Erst im Frühling schneide ich sie zurück, dann können sie wieder schön austreiben. (z.B. Schnittlauch, Thymian)
Die nicht winterharten Kräuter ernte ich ganz ab. Verarbeite sie zu Pesto oder friere sie ein. Im nächsten Jahr säe ich diese einfach wieder neu aus. Es gibt schon auch mehrjährige Kräuter, die leider nicht winterhart sind und eigentlich ein kühleres Winterquartier als die Wohnung bräuchten. Aber auch in der Wohnung auf einem hellen Fensterbrett kann man sein Glück versuchen, diese über den Winter zu bekommen. (Basilikum, Petersilie)

Obstgehölze/Bäume/Weinrebe:
Verlieren ganz normal ihre Blätter und treiben bei den ersten warmen Frühlingstagen wieder aus.
Rückschnitt nehme ich teils jetzt schon vor weil ich im Frühling mit vielen anderen Setzlingen beschäftigt bin. Rückschnitt sollte nur an frostfreien Tagen gemacht werden und auch nicht bei Regen (höhere Infektionsgefahr bei offener Schnittstelle)

Aussaat für erste Frühlings-Ernte

Herbst/Winter heisst nicht unbedingt, dass alles tot und trist ist. Noch sprießen ein paar Radieschen in meinen Töpfen die ich gegen Sommerende ausgesät habe. Sowie Mangold, Kapuzinerkresse und Schnittlauch. Meine Kohlsprossen kommen auch langsam in Form.
Wer will, kann jetzt noch ein paar Pflanzen ansetzen.
Nicht alle wachsen während der kalten Temperaturen weiter. Viele werden über den Winter einen kleinen Winterschlaf machen. Sprießen aber als erstes los, sobald es im Frühjahr wieder Plusgrade hat.

Ich streue jetzt noch direkt in die Töpfe aus:
Spinat- & Radieschensamen. Die geben im Frühjahr Gas!

Genauso setze ich Knoblauchzehen und kleine Zwiebelknollen unter die Erde.
Die brauchen zwar eine Spur länger als einfaches Grünzeug, aber kann auf jedenfall abgeerntet werden bevor im Frühsommer die ersten Setzlinge ausgepflanzt werden.
Meine Knoblauchernte aus einem Mini-Trog, 40x80cm, reicht schon nun seit über einem halben Jahr aus (und ich verwende beim Kochen wirklich viel Knoblauch) Noch dazu hält sich der Knoblauch in meiner dunklen Lade gefühlte Ewigkeiten.

Ihr solltet also keinen Topf, Trog oder Hängekistel über den Winter leer lassen 🙂 wäre Schade um die guten uind kostenlosen Resourcen die ihr dazu gewinnen könnt.

Gründüngung

Wer über den Winter eine Balkonpause machen will und nichts anpflanzt, sollte zumindest ein paar Samen Gründünung streuen.
Zur Gründüngung zählen u.a. Klee & Lupinen. Diese werden im Herbst/Winter noch zu kleinen Grünpflanzen, deren Wurzeln den Boden gut durchlüften und ihn mit neuen Nährstoffen versetzt.
Wenn es kälter wird, wird das Grünzeug und deren Wurzeln absterben. Belasst das tote Gestrüpp auf dem Beet. Es dient als Nahrung für viele Organismen im Boden, die wiederum eine gute Flora erzeugen und die Erde auffrischen. Im Frühling kann die restliche Gründüngung in die Erde eingearbeitet werden.
Im Frühling werte ich die Erde in den Töpfen noch zusätzlich mit einer Fuhr Kompost auf.

Winterpflege & Gießen

Ich muss zugeben, dass mich die kalten Temperaturen nicht wirklich dazu verleiten draußen am Balkon irgendwas zu machen. Und auch ohne Gießen überlebt bei mir alles. Im Winter ist es sowieso nie so heiß, dass bestehende Feuchtigkeit so schnell vertrocknen würde. Es gibt im Herbst/Winter mehr Niederschlag und der schmelzende Schnee tut den Rest.
Bei einem Balkon mit Überdachung solltet ihr trozdem ein Auge drauf haben. Solltet ihr was angesetzt haben, lasst es nicht komplett austrocknen.

Nützlinge unterstützen!!

Nützlinge sollten nicht unterschätzt werden.
Vorallem Marienkäfer und Co. welche Massen an Blattläuse fressen können.
Auch am Balkon sind Nützlinge extrem wichtig um alles im Gleichgewicht zu halten. Je mehr Nützlinge dir helfen, umso weniger Arbeit hast du gegen Schädlinge ankäpfen zu müssen.

Den kleinen Spatzen und Vögeln stelle ich immer ein Schüsselchen mit Vogelfutter auf den Balkon. Es muss kein spezielles Vogelfutter sein. Ein paar Samen, Nüsse oder Flocken sind perfekt.
ZERO WASTE TIPP: Sollte in der Küche dein Nussvorrat von Motten oder anderem Getier befallen sein – NICHT wegschmeissen! Genau sowas kannst du trotzdem noch den Vögeln als Futter anbieten.
Die Vögel werden es dir Danken und den ein oder anderen ungebetenen Käfer am Balkon mitauffuttern.

Marienkäfer und Florfliege, meine Lieblinge im Kampf gegen Blattläuse.
Deren Larven fressen unendlich viele Blattläuse und demnach sollte man ihnen den Balkon als Brutstätte so gemütlich wie möglich machen.
Werft das Herbstlaub nicht weg, sondern verteilt es auf eurem Beet, Töpfe oder Tröge. Nützlinge brauchen über den Winter einen Unterschlupf und außreichend Vertsteckmöglichkeiten.
ZERO WASTE TIPP: Wenn der Weihnachtsbaum abgeräumt wird, schneidet das Reisig vom Stamm ab und legt es ebenfalls auf eure Anzpflanzgefäße. Hält nicht nur den Schnee ab und darunter bleibt es „wärmer“, sondern bietet ebenfalls einen super Unterschlupf.

Winterputz

Ich mache immer gern eine kleine Herbst-Aufräum-Aktion bevor Möbel ect. eingepackt werden und dann im Frühling den Frühjahrsputz wenn wieder alles ausgepackt wird.

Boden & Holz:
Boden aufkehren (Laub einsammeln und auf Beete verteilen)
Boden wenn nötig einmal mit dem Schlauch abspritzen oder grob feucht drüberwischen.
Holzboden, Holzmöbel und Holztröge mit farblosen Öl einlassen. Sind somit besser gegen die kalte und feuchte Witterung gewappnet und halten länger.

Tröge & Töpfe:
Wie gesagt, verwelkte Pflanzen ab und entweder neu bepflanzen, Gründünung setzen oder es belassen wie es ist. Und auf Mulchschicht für Nützlinge nicht vergessen!

Gartenschlauch & Gießkanne:
Mein Schlauch wird über den Winter weggepackt. Sollte noch irgendwo Wasser drin sein und es kommen Minustemperaturen, kann der Schlauch platzen und ist kaputt. Auch die Witterung macht den Gummi poröser.
Gießkanne bleibt draußen. Aber auch da schaue ich, dass sich kein Wasser drin sammelt. Mir ist schon einmal eine Gießkanne aufgeplatzt, weil das frierende Wasser darin sich ausgedehnt hat.

oder einfach alles belassen wie es ist…

Gute Nachricht für die ganz Winterfaulen unter euch. Wenn ihr alles stehen und liegen lässt, ist das auch kein großes Verbrechen. Sogar wenn ihr alte Tomatenpflanzen bis in den Frühling hinein direkt am Bett verotten lasst.
Ihr habt dann einfach im Frühling ein wenig mehr Arbeit.
Und zum Ernten gibts auch noch nichts, wenn ihr im Herbst nichts ansetzt.
Ganz eure Entscheidung.

Ich habe ebenfalls schon einmal keine Lust auf all die Vorbereitungen gehabt und alles liegen und stehen gelassen. Und im Frühling ist der Balkon trotzdem noch gestanden…
Ich möchte es nicht zur lästigen Pflicht ausarten lassen. Es soll ja Spaß machen. Und wenn ich Lust und Zeit habe und es dann noch ein paar warme Herbsttage gibt, arbeite ich gerne ein bisschen am Balkon.
Egal wie ihr es handhabt, ich wünsch euch viel Spaß dabei!